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Laufende Begegnungen


 Wolfgang W. Schüler (Hrsg.)
 Ein Lesebuch zum 75. Geburtstag von Prof. Dr. Alexander Weber.
 Book on demand Pro business GmbH, 2012.
 Gebunden 264 S. 14,90 €. ISBN 978-3-86386-239-8

  

 

 

Umschlagbild und Untertitel lassen keinen Zweifel, wem die "Laufenden Begegnungen" gelten: Prof. Dr. rer. nat. Alexander Weber, der am 25. Juni 75 Jahre alt geworden ist. Ein Geburtstag dauert einen Tag; dies ist der Versuch, einem flüchtigen Ereignis Dauer zu verleihen. Der Sozialpädagoge Wolfgang Schüler hat Dozenten des Deutschen Lauftherapiezentrums gebeten, sich in einem Beitrag ganz individuell Alexander Weber zu nähern.

Martin Krüger hält auf einem Lauf Rückschau auf die Vorgeschichte des DLZ. Der Orthopäde Richard Ammenwerth schildert die Gründung des Lauftherapiezentrums 1988 und die drei Jahre später beginnende Ausbildung von Lauftherapeuten. Der Laufschuh-Experte Frank Czioska würdigt Webers Tätigkeit als Schuhtester, der bereits in den siebziger Jahren ein seriöses Schuhtest-System aufgebaut hat und unbestechlich Laufschuhe für das Laufmagazin "Spiridon" beurteilt. Johannes Tack enthüllt, daß Alexander Weber außer dem Laufen ein weiteres Steckenpferd reitet, das Singen; er hat bereits während seines Studiums Gesangsunterricht genommen und singt seit fast zehn Jahren in dem Musikensemble "Die Herren Vocalisten". Arwed Bonnemann findet, daß sich das Persönlichkeitsbild Webers nach den Regeln, die Glücksforscher empfehlen, zur Lebenskunst rundet. Klaus Richter erklärt vor dem Hintergrund seiner zwanzigjährigen Tätigkeit für das DLZ witzig den Wandel eines leistungsambitionierten Läufers zum Gesundheitsläufer. Barthel Schumacher beschreibt biographisch, was ihm das Laufen und die Lauftherapie für geistig Behinderte bedeuten. Rüdiger Carlberg beschreibt seinen Weg als Läufer, der ihn schließlich zu Alexander Weber führte und, wie er schreibt, sein Leben veränderte. Wolfgang Schüler, der Herausgeber, hatte schon als Kind begonnen, leistungsbetont zu laufen, konnte seine Erfahrungen beruflich in Laufpädagogik umsetzen und fand schließlich zur Laufforschung. Jochen Grell fordert in seinem Feuilleton dazu auf, Selbstbehinderungen aufzugeben.

Auf diese Weise ist, zusammen mit Rückblick und Kurzporträts der Autoren, ein Buch zustandegekommen, das um einen Mittelpunkt kreist, ohne daß dieser auftaucht: Alexander Weber. Der Herausgeber definiert "Laufende Begegnungen" nicht als Sachbuch, sondern als "Lesebuch": "Die Auseinandersetzung wird literarisch geführt. Dabei kommt vielerlei zum Ausdruck, mithin die Berührtheit der Verfasser, ihre Motive und Motivationsdynamiken, ihre Erfahrungen und Interpretationen, ihre Reflexionen über tiefgreifende Verbindungen von Laufen und Leben, nicht zuletzt ihre Selbstdistanz und ihr Humor."

Sicher, als Allerweltsläufer, den nichts anderes als seine nächste Marathonzeit interessiert, muß man ein solches Buch nicht gelesen haben. Wer jedoch einen Hauch von der psychologischen Dimension des Laufens empfunden hat, wird berührt sein von der Wärme der Auseinandersetzung mit dem Werk Professor Webers. Viele kleine Informationen bringen auch Außenstehenden das Deutsche Lauftherapiezentrum näher. Der Herausgeber hat nicht bloß einen Freundschaftserweis zum Geburtstag veröffentlicht, sondern vor allem auch eine wichtige Facette des Laufens - die wichtigste? - menschlich gemacht.

Gelesen und besprochen von Werner Sonntag

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