Wolfgang W. Schüler

25 Jahre Engagement in der Lauftherapie (1985 – 2010)

von Jens-Uwe Riedmüller

Das Spezialgebiet von Wolfgang W. Schüler ist die Lauftherapie mit Kindern und Jugendlichen. Auf seinem 1985 begonnenen Praxisversuch im Heim fußte die erste deutschsprachige Forschungsarbeit, durch die er die Erziehungsrelevanz des Mediums Laufen bei Heranwachsenden nachweisen konnte („Sozialpädagogische Intervention durch Sport“, Berlin 1991). Ab 1990 unternahm er einen weiteren, stärker therapeutisch ausgerichteten Versuch im Tagesheim, von dem in seinem zweiten Buch zu lesen ist („Lauftherapie bei verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen“, Oberhaching 1996). Mehr noch wurde mit dieser Publikation erstmals eine umfassende sozial-therapeutische Begründung und Konzeption des Laufens im Kindes- und Jugendalter vorgelegt. Ergänzt hat Schüler diese wenig später um „… ein offenes Praxiskonzept“, das vielfältige Möglichkeiten der praktischen Umsetzung aufzeigte („Lauftherapie mit Kindern und Jugendlichen. Plädoyer für …“, in: DLZ-Rundschau, Ausgabe 20, Juli 1998). Die Frage, ab welchem Alter damit begonnen werden kann, beantwortete er mit „Lauftherapie im Vorschulalter“ (in: A. Bonnemann u.a./Hrsg.: Laufen und Lauftherapie, Regensburg 2006). Wer sich in die Lauftherapie mit Kindern und Jugendlichen einlesen möchte, kommt an diesen Schriften nicht vorbei.

Wolfgang Schüler hat selber im Kindesalter zum ausdauernden Laufen gefunden, 1967 anlässlich des 1. Wiesbadener Volkslaufs. Seit seinem 9. Lebensjahr läuft er regelmäßig, am Stichtag des 27.11.2009 schon 42,195 Jahre. Die Verknüpfung von Beruf und Hobby erfolgte, als der studierte Sozialpädagoge (Diplom) und spätere Pädagoge (M.A.) in einem Kinderheim arbeitete und eine Alternative zum Fußballspiel suchte. Dieses war dort zwar sehr beliebt, endete jedoch häufig in Tretereien und Streit sowie Frust über Niederlagen. Dass es Schüler gelang, aus einer 10-köpfigen Wohngruppe eine friedliche und erfolgreiche Laufgruppe zu machen, damit hat er selber nicht gerechnet. So aber kamen zur entfachten Laufbegeisterung die erhofften Wirkungen: Leistungs- und Sozialverhalten seiner Schützlinge verbesserten sich markant, und dies nicht nur im Sport.

Als Schüler von der Ausbildung in Lauftherapie durch das Deutsche Lauftherapiezentrum erfuhr, musste er nicht lange überlegen. Er meldete sich zu Kurs 3 an und schloss im Herbst 1994 als Lauftherapeut (DLZ) ab. Das Angebot des DLZ-Vorsitzenden und Ausbildungsleiters Prof. Dr. Alexander Weber, den Unterricht um das Thema „Kinder und Jugendliche“ zu erweitern, nahm er gerne an und wirkt seit 1995 als Dozent. Damit eröffnete sich ihm die Möglichkeit, seine praktischen Erfahrungen und theoretischen Kenntnisse auch in der Lehre zu verbreiten. In den Folgejahren kamen weitere Aufgaben im DLZ hinzu: als Vorsitzender der Aus- und Weiterbildungskommission und als Autor und Co-Redakteur der „DLZ-Rundschau“. In dem 1994 von ihm mit gegründeten (Berufs-) „Verband deutscher Lauftherapeuten“, heute „Verband der Lauftherapeuten“, warb er u. a. für die Idee der Fachgruppen und gründete und leitete mehrere Jahre deren erste – selbstredend zur Adressatengruppe „Kinder und Jugendliche“. So hob er, im DLZ wie im VDL, das Thema auf die institutionelle Ebene. Zusätzlich trat und tritt er als Redner und Workshopleiter auf Tagungen und Veranstaltungen von Einrichtungen der Jugendhilfe auf.

Weil die Forschungs-, Publikations-, Lehr- und Verbandstätigkeiten zusammen einen immer größeren nebenberuflichen bzw. ehrenamtlichen Umfang annahmen, gab Schüler nach etwa 10 Jahren seine Praxistätigkeit auf. Mit dazu beigetragen hat sein hauptberuflicher Wechsel von einem Jugendhilfeträger ins Amt für Soziale Arbeit in Wiesbaden. Im Laufe der letzten Jahre sind ihm neben der Lauftherapie mit Kindern und Jugendlichen weitere Themen wichtig geworden:

  • die Aufarbeitung der Geschichte der Lauftherapie. Hierzu hat er z. B. mit Prof. Weber das Buch „Warum Cooper Aerobics erfand“ (Regensburg 2005) vorgelegt.
  • die Bibliografierung lauftherapeutischer Literatur. Dokumentiert ist sie u. a. in der mit Dozentenkollege Klaus Richter zusammengestellten Broschüre „Gesund durch Laufen“ (Wiesbaden 2002).
  • die internationale Vernetzung. Es bestehen Kontakte zu Lauftherapeuten in Amerika und in Asien.

Stets interessiert Wolfgang W. Schüler das Neue, und auch nach 25 Jahren Engagement in der Lauftherapie hält seine Begeisterung für die Sache an. Das möge in den nächsten 25 Jahren so bleiben!

Nachfolgend die Publikationen von Wolfgang W. Schüler speziell zur Lauftherapie mit Kindern und Jugendlichen:

  • (1985) Wenn Heim-Kinder laufen. In: Condition, 16. Jg., H. 6, S. 60-61
  • (1991): Sozialpädagogische Intervention durch Sport – dargestellt am Beispiel des Langstreckenlaufs. Eine empirische Untersuchung an Kindern und Jugendlichen im Heim. Berlin: Edition Marhold im Wissenschaftsverlag Volker Spiess
  • (1996) Lauftherapie bei verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen. Begründungen – Bausteine – Konzeptentwurf. Oberhaching: Gesundheits-Dialog Verlag
  • (1998) Lauftherapie mit Kindern und Jugendlichen. Plädoyer für ein offenes Praxiskonzept. In: DLZ-Rundschau (Zeitschrift des Deutschen Lauftherapiezentrums), 10. Jg., Ausg. 20, S. 2-8
  • (1999) Zur lauftherapeutischen Beeinflussung von Verhaltensstörungen bei Kindern und Jugendlichen – aufgezeigt an US-amerikanischen Untersuchungen. In: Weber, A. (Hrsg.): Hilf dir selbst: Laufe! Paderborn: Junfermann Verlag, S. 264-274
  • (1999) Lauftherapie mit verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen: Laufen – keine bittere Medizin! In: DLZ-Rundschau, 11. Jg., Ausg. 22, S. 12-13
  • (2000) Workshop „Entwicklungsförderung durch Bewegung und Sport – aufgezeigt am Beispiel des Dauerlaufs“. In: Offener Kanal Oldenburg: Bundestagung für Tagesgruppen (IGfH): Baukasten Tagesgruppe: Vielfalt – Chancen – Grenzen. 30.03. – 01.04.2000. Oldenburg (Film)
  • (2006) Lauftherapie im Vorschulalter. Versuch einer Positionsbestimmung. In: Bonnemann, A., Grell, J. & Richter, K. (Hrsg.): Laufen und Lauftherapie. Ein Lesebuch. Regensburg: Lauf- und Ausdauersportverlag (LAS), S. 70-82
  • (2008) Lauftherapie mit Kindern und Jugendlichen. In: www.lauftherapie-vdl.de
  • (2009) Kommunalperspektivischer Ansatz der Förderung von Problemschülern durch Ausdauersport Laufen – „Students Run L.A.“, ein U.S.-amerikanisches Erfolgsmodell. In: DLZ-Rundschau, 21. Jg., H. 41/42, S. 32-36
  • (2009) Spurensuche: Erziehungsrezept „Laufen“ im Philantropismus. Zum 250. Geburtstag von Johann Christoph Friedrich GutsMuths. In: DLZ-Rundschau, 21. Jg., H. 41/42, S. 41-45
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