Zielgruppen spezifische Angebote

Lauftherapie für Kinder und Jugendliche seit 25 Jahren

Bruno Papenhoff, ein großer Förderer des Kinderlanglaufs
Laudatio, gehalten auf der IGL-Jahreshauptversammlung am 7. Juni 2014 in Bad Arolsen-Wetterburg

erschienen in LAUFZEIT & CONDITION Heft 9/2014, S. 48-49
Nachveröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Wolfgang Weising, Chefredakteur der LAUFZEIT & CONDITION

Es ist mir eine Freude, eine Laudatio auf ein verdientes IGL-Mitglied halten zu dürfen: Bruno Papenhoff. In der Juni-Ausgabe der „condition“ wurde bereits darauf hingewiesen, dass sein Kinderlauftreff in Vlotho in diesem Jahr 25 wird. Dieses Ereignis, diese Leistung soll auch heute und hier ihre Würdigung finden.

Wer das Jahr 2014 zum Ausgangspunkt einer geschichtlichen Betrachtung des Kinderlanglaufs insgesamt nimmt, wird feststellen, dass es weitere direkt oder indirekt zur IGL stehende Ereignisse gibt, die Erinnerung verdienen, weil ohne sie heutige Entwicklungen nicht denkbar gewesen wären.

Lassen Sie mich deshalb – in der notwendigen Verkürzung – zunächst den vor 30 Jahren verstorbenen IGL-Mitbegründer Dr. med. Ernst van Aaken nennen, der ein großer Befürworter auch des Kinderlanglaufs war. Vor 35 Jahren, 1979, legte er das 380 Seiten umfassende Werk „Die Ausdauer des Kindes“ vor, womit er ein sehr dickes Ausrufezeichen setzte und eine Art Testament zum Kinderlaufsport hinterlegte.

Am 2. Mai dieses Jahres verstarb das IGL-Mitglied Dr. phil. Karl Lennartz. Auch er hatte sich 1979 mit einem Buch, „Kinder laufen lieber länger“, zu Wort gemeldet. Er beschrieb darin seine Erfahrungen als Langlauftrainer von Kindern, wobei er die van Aaken’sche Perspektive um eine sportpädagogische weitete, was er durch das wenige Jahre später vorgelegte Büchlein „Langlauf in der Grundschule“ noch einmal unterstrich.

Ideengeber für den seit nunmehr 20 Jahren von der IGL ausgerichteten bundesweiten Nachwuchs-Cup war IGL-Mitglied Harry A. Arndt. Der Sportlehrer und Gründer des Schulsportclubs Hanau-Rodenbach trat seit Mitte der 1970er Jahre sehr erfolgreich mit einer Förderung von Schülern hervor, bei der die „Vermittlung des Laufens als Erlebnis und Lebenssport weit mehr bot als den bloßen Kampf um Meter und Sekunden“ (E. Händel). Ebenso war ihm von Anfang an die Integration von ausländischen bzw. Kindern mit Migrationshintergrund wichtig.

Nunmehr im zehnten Jahr für den IGL-Nachwuchs-Cup verantwortlich ist der IGL-Beauftragte für Kinder, Jugend und Junioren und stellvertretende IGL-Vorsitzende Bruno Papenhoff. Im August des Jahres wird er auf das 25jährige Bestehen seines Kinderlauftreffs Vlotho zurückblicken können. Zur Erinnerung: Bereits Mitte der 1970er Jahre hatte IGL-Mitglied und Mitbegründer des Darmstädter Lauftreffs Carl-Jürgen Diem seinen Lauftreff für Erwachsene um ein Laufangebot für Kinder erweitert.

Wie kam es 1989 zur Gründung des Kinderlauftreffs in Vlotho? Kinder einzelner Lauftreffteilnehmer hatten in den Ferien hin und wieder den Weg zum allgemeinen Lauftreff gefunden. „Auf die Frage, warum sie nicht ständig kamen, äußerten sie, dass die Zeit des Treffens zu spät sei und dass zu wenige Kinder teilnehmen würden. Außerdem wäre es bei den Erwachsenen zu langweilig“ (B. Papenhoff). Für sie begann Bruno mit einem gesonderten Nachmittagstermin und einer Abwandlung des DLV-Lauftreffprogramms auf ihre Bedürfnisse und Wünsche hin.

Verschiedene, u. a. nach Jahreszeiten ausgewählte Laufstrecken, der Erwerb von DLV-Laufabzeichen, Laufspiele sowie Elemente aus dem Orientierungslauf gehören genauso dazu wie die Differenzierung nach vorrangig erlebnis- und/oder leistungsorientierten Interessen. Extern bestehen Möglichkeiten der gemeinsamen Teilnahme an sorgfältig ausgewählten Volksläufen wie auch der Vermittlung der Ambitionierten in einen Verein. Ergänzend finden Exkursionen per Rad, Boot oder Ski sowie Erlebniswochenenden und –freizeiten statt, teils mit Eltern und Geschwistern.

Das A und O aber ist der Blick auf das einzelne Kind und dessen individuelle Beratung. Hierbei wie auch bei der Umsetzung, mithin der Verteilung der Kinder auf verschiedene Gruppen mit eingewiesenen jugendlichen Gruppenhelfern, kommt Brunos fachlicher Hintergrund zum Tragen: Er ist ausgebildeter Lauftreffleiter (FLVW), Lauftrainer mit B-Schein für Mittel- und Langstrecke (DLV) sowie Lauftherapeut (DLZ). Ein selten glücklicher Umstand, der nicht nur seinen Kinderlauftreff zu stattlicher Größe expandieren ließ und dabei auch zahlreiche Kinder nicht laufender Eltern erreichte, sondern ebenso zu vielen Anfragen von Erwachsenenlauftreffs führte und ihn zum Geburtshelfer manch anderer Kinderlaufgruppe im Bundesgebiet machte.

Positiv auch die Rückmeldungen der betroffenen Vlothoer Eltern aus einer schriftlichen Befragung. Ob sie an ihren Kindern laufbedingte Veränderungen festgestellt hätten? Die Antworten lauteten vielfach „ja“. Die Kondition habe sich verbessert, ebenso die gesundheitliche Verfassung. Die Kinder seien aktiver und selbstbewusster geworden, ausgeglichener, aufgeschlossener und weniger ängstlich.

Ergebnisse, die zeigen, dass ein gut geführter Kinderlauftreff nicht nur dauerhaft Spaß am Laufen vermitteln und Wege, z. B. in die Vereine, weisen, sondern auch entscheidend zu einer gesunden körperlichen und Persönlichkeitsentwicklung beitragen kann. Es wäre schön, wenn es weit mehr Kinderlauftreffs, besonders aber solcher der Papenhoff’schen Güte, gäbe.

Wie viele Stunden und wie viel Herzblut stecken in einer solchen Arbeit? Bruno ist jemand, der tut und nicht viel darüber redet. Er ist bescheiden in seinem Auftreten und, um es in einer religiösen Sprache auszudrücken, der Sache bzw. den Menschen dienend. So manche Initiatoren hat er kommen und gehen gesehen; er selbst bewies langen Atem.

Bruno hat gemeinsam mit den zuvor genannten Persönlichkeiten dazu beigetragen, dass Kinder heute ihren selbstverständlichen Platz im Bereich des Ausdauerlaufs haben. Als einer seiner ehemaligen Dozenten am Deutschen Lauftherapiezentrum sage auch ich frank und frei, dass ich eine Menge von ihm gelernt habe. Deshalb ist er in meinem neuen, gerade erschienenen Buch „Lauftherapie mit Kindern und Jugendlichen“ (Meyer & Meyer-Verlag) namentlich hervorgehoben.

Für die Zukunft sei Bruno alles erdenklich Gute und weiterhin viel Freude und Erfolg bei seinem Engagement in Vlotho und für die IGL gewünscht!

 

... Ergänzung von Bruno Papenhoff: 

"Zur Zeit - November 2014 - sind rund 80 Kinder beim Kinderlauftreff Vlotho dabei. Sie nehmen mehr oder weniger häufig an den Trimmstunden teil. Im Durchschnitt sind es immer 45 bis 50 Kinder. Wir haben zur Zeit 6 Gruppen. Das Einzugsgebiet reicht von Hannover bis Gütersloh, ein Umkreis von ca. 80 km. Derzeit bilde ich zwei Kinderlauftreffgruppenhelfer aus, zum überwiegendem Teil Praxis bezogen: wie helfe ich Kindern bei Seitenstechen, anwenden von Laufspielen, zur richtigen Zeit am richtigen Ort, wie verhalte ich mich, wenn jemand nicht mehr weiterlaufen möchte u.s.w..

Bei einem Kinderlauftreff muß man sich individuell einstellen und kann sich nur geringfügig vorbereiten. Das besteht schon darin, das der Gruppenhelfer nicht weiß, welche Gruppe er am Tag zu betreuen hat und wie sich die Gruppe zusammensetzt. Es wird darauf geachtet, daß die Gruppe harmonisch zusammenpasst. Dennoch wechselt es bei den Kindern häufiger als man denkt. Da bringt jemand einen Freund oder Klassenkammeraden mit zum Kinderlauftreff. Wir kennen diesen Läufer nicht. Daher müssen wir versuchen beiden gerecht zu werden, da sie gerne zusammen Laufen möchten. Schulischer Tagesablauf, häusliches Tagesgeschehen, Wetter, eigenes Befinden des Kindes, Interessenlage eines Kindes u.s.w. muß in der Gruppeneinteilung berücksichtigt werden.

Die Gruppen arbeiten jeweils individuell selbstständig. Nur der Beginn ist weitgehend reglementiert. Wir laufen in unserem Kurpark, jeder darf für sich selber laufen, individuell vom Startpunkt (Parkplatz) zu einem Ankunftspunkt (ein bestimmter Unterstand, den auch jemand mit den Kfz erreichen kann, der zu spät gekommen ist) wo dann das Dehnen und die Gymnastik stattfindet. Der zeitliche Spielraum und Ablauf ist allen bekannt. Erst danach werden die Gruppen gebildet. Spiele, Wassertreten, Blätterschlacht, Kletterpartieen u.s.w. lockern das Gruppenprogramm auf. Dazu gehört auch das Laufen im dunklen Wald ohne Lampen. Zur Zeit findet das Fangen in einem kleinen und überschaubarem Irrgarten bei allen Kindern, ob Groß oder klein, gemeinschaftlich riesigen Anklang."

Bruno Papenhoff

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