Zielgruppen spezifische Angebote

Lauftherapie für geistig behinderte Menschen

Jürgen Simon, Barthel Schumacher "Wie aus zwölf Wochen mehr als vierzehn Jahre und aus einem Projekt eine Lebensaufgabe wurde"

Ursprünglich sollte es ein Projekt werden mit einer Laufzeit von zwölf Wochen. Im Rahmen der Ausbildung zum „Lauftherapeuten“ wollte Barthel Schumacher versuchen, mit Menschen aus dem Bereich „Betreutes Wohnen“ von der Lebenshilfe in Lippstadt ein Laufprogramm zu absolvieren. Barthel wollte beobachten, wie das sanfte Laufprogramm angenommen, und  beobachten welche Auswirkungen sich einstellen würden. Wie gesagt, geplant war ein zwölfwöchiges Projekt. Mittlerweile besteht die Gruppe mehr als vierzehn Jahre.   

 

Laufen mit geistig Behinderten ist für einen Lauftherapeuten eine ständige Herausforderung, denn Behinderte haben nicht die normalen Erwartungen an ihren Gesundheitszustand. Sie differenzieren nicht zwischen seelischer, psychischer, sozialer und geistiger Gesundheit. Die ersten Schritte waren daher problematischer als gedacht, stellte sich doch sehr bald heraus, dass ein kontinuierlicher Aufbau des Kurses in ca. zwölf Wochen nicht machbar war.

Die ersten Schwierigkeiten hatten alle Teilnehmer damit, dass sie ihren Sport in der Natur, das heißt in ungewohnter Umgebung, und nicht in der Halle ausüben sollten. Schritt für Schritt und mit immer neuen lustbetonten Zielen und um einen Sieg über sich selbst zu erringen, lief die Gruppe sehr langsam dienstags und freitags. Ganz allmählich näherten wir uns der anvisierten Zielsetzung 30 Minuten ausdauernd zu laufen. Das würde der Gruppe auch ermöglichen, an einem Adventslauf ganz in unserer Nähe teilzunehmen. Die Veranstaltung wurde vor vielen Jahren ins Leben gerufen und lebt davon, dass die Teilnehmer nicht ihr Tempo unter Beweis stellen sollen, sondern die Ausdauer.

Angeboten wird bis zu vier Runden je drei Kilometer zu laufen. Jeder Läufer kann auf Wunsch nach jeder Runde ausscheiden.  Für unsere Teilnehmer aus dem betreuten Wohnen war es ein erstes Zusammentreffen mit Läufern aus dem Nichtbehinderten-Bereich. Es war ein voller Erfolg, alle Behinderten schafften es, zwei Runden zu laufen. Drei ganz Forsche ließen es sich nicht nehmen, alle vier Runden zu durchlaufen.

Einige Monate später, kamen drei Männer und eine Frau von der Lebenshilfe mit zum samstäglichen Ausdauertraining. Diese Laufgruppe existiert über Jahrzehnte, und sie erwies sich als zusätzliche Motivation: Die Leistung der Behinderten steigerte sich, nahmen sie doch die Nichtbehinderten als Vorbild. Man akzeptierte sich sehr schnell, man lernte voneinander, und man unterstützte sich gegenseitig. Das Modell „Integratives Laufen“ hat mittlerweile über die Grenzen Lippstadts hinaus Anklang gefunden.

In den ersten fünf Jahren der Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe Lippstadt wurden 46 Behinderte an den Laufsport herangeführt. Gemeinsam fährt man zu Volksläufen über zehn Kilometer oder sogar Halbmarathon. Eine Teilnehmerin und ein Teilnehmer konnten bereits bei einem Marathon ihre Ausdauer unter Beweis stellen. In guter Erinnerung blieben auch die „Special Olympics“ in Stuttgart und Groningen, wo sogar Siege für die Lippstädter Teilnehmer heraussprangen.

Die erwähnte Teilnehmerin lief im November 2006 gemeinsam mit einer Gruppe von 80 Teilnehmern aus Lippstadt in New York ihren zweiten Marathon. Sie wollte unbedingt einmal zwischen den Hochhäusern hindurch laufen. Mittlerweile wird das regelmäßige Laufen dienstags und freitags als „Integrativer Lauftreff“ genutzt. Es kommen bis zu 50 Menschen mit und ohne Behinderung . Seit sieben Jahren arbeiten wir zu zweit. 

Mit Jürgen Simon der erst die Ausbildung zum Laufgruppenleiter absolvierte und seit gut zwei Jahren Lauftherapeut ist, bilden wir gemeinsam ein Team. Wir teilen uns Gruppen zu und laufen mit den Teilnehmern unterschiedlich schnell, je nach deren Leistungsvermögen. Gelaufen wird immer ca. eine Stunde. Diese große http://acheterdufrance.com/ Gruppe, ist entstanden, weil Menschen mit und ohne Behinderung an unseren Lauftherapiekursen teilnehmen, die dann nach Beendigung dieser Kurse, Freude daran haben, beim Integrativen Lauftreff weiter mit zu laufen.

Dass aus einem für zwölf Wochen geplanten Projekt mittlerweile eine seit über vierzehn Jahren bestehende Laufgruppe erwachsen ist, zeigt, dass Laufen für Behinderte eine Steigerung der Lebensqualität bedeuten kann. Und dazu hat sich gezeigt, dass Lauftherapie eine ergänzende Form im Kreis von vielen weiteren Möglichkeiten der Rehabilitation ist und auch nicht Behinderte bereichert.
 
Das Schlusswort soll ein junger Behinderter haben, er arbeitet tagsüber in der Werkstatt für Behinderte und nach Feierabend  lebt er in einer Betreuten - Wohngemeinschaft: „Zweimal in der Woche, nur mit „normalen“ Menschen zusammen zu sein und zu laufen, finde ich toll.“
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